performance

©Andreas Körner
©Andreas Körner

Performance und Körperlichkeit sind fester Bestandteil von Thomas Putzes Werk. Der Künstler nutzt die Performance, um aus der bloßen Materialität, der Installation, Skulptur oder Zeichnung herauszutreten. Er setzt den eigenen Körper als Kunst- als Denkmittel, als Kommunikationsmittel zwischen Künstler und Betrachter ein und macht damit Raum erfass- und erfahrbar. Dabei geht er in seinen Performances an seine eigenen körperlichen Grenzen, setzt sich dem Betrachter aus und lässt sich auf dessen Partizipation ein.

Performance and physicality are at the heart of Thomas Putze’s work. The artist uses performance to reach beyond mere materiality, installation, sculpture or drawings. He employs his own body as art and creative material, and as a communication tool between artist and audience, thus turning the space into a tangible experience. Putze explores his own physical boundaries during his performances by subjecting himself to the audience and their participation.



Passage

Performance zur Installation "Katacombi", in der Arnulf-Klettpassage, Hauptbahnhof Stuttgart, 2014

Performance to accompany "Katacombi" installation at the Arnulf-Klettpassage, Hauptbahnhof Stuttgart, 2014

Mit der Installation "Katacombi" aus unterschiedlichen Bäumen und Christbaumständern, zeigte Thomas Putze den Betrachter ein skulpturales Dickicht, zwischen Obdachlosen-Biotop und vergessener weihnachtlicher Schaufensterdekoration. Mit ihrer teils grob wirkenden Direktheit bildete die Installation einen starken Kontrast zur artifiziellen Umgebung der Klett-Passage – ein Sinnbild für Wünsche oder Ängste. Mit der Performance Passage verstärkte er diesen Kontrast und konfrontiert die überwiegend unfreiwilligen Kunstbetrachter, Reisenden und Klettpassagenbesucher, unmittelbar mit der künstlerischen Auseinandersetzung.

In his ‚Katacombi’ installation, Putze used various trees and Christmas tree stands to show the audience a sculptural undergrowth somewhere between a green habitat for the homeless and forgotten Christmas window decorations. The seemingly raw directness of the installation offered a stark contrast to the artificial environment of the Klett shopping mall – symbolising wishes or anxieties. The performance reinforces this contrast and confronts involuntary viewers, travellers and Klett mall visitors with this artistic discourse.


Nadelwald

Performance zur Ausstellung "Myths - Upcycled", Kunststation Kleinsassen, August 2018

Performance to accompany "Myths - Upcycled" exhibition, Kunststation Kleinsassen, August 2018

Ästling

Freie Kunstakademie Nürtingen, 40-jähriges Jubiläum der Akademie, Juli 2016

Freie Kunstakademie Nürtingen, 40th anniversary of the academy, July 2016

Mit der Performance "Ästling" nahm der Künstler bewusst das Bild des noch nicht ganz selbständigen Jungvogels auf und setzte sich mit der Lebensrealität, des aus dem Schutz der Akademie flügge werdenden Künstlers auseinander, die immer ein Balanceakt ist zwischen Abheben, Scheitern und Wege finden. Die Performance startete in den Räumlichkeiten der FKN und erstreckte sich über eine Stunde über das gesamte Areal bis zum Neckar. Wobei der Künstler bei seinen Versuchen, unwägbare Wege zu nehmen, immer wieder auf die Hilfe der Zuschauer angewiesen war.

The performance ‘Ästling’ dramatizes the image of the not quite independent baby bird. It symbolizes the reality of the young artist flying the nest and the safety of the academy – always a balancing act between taking off, failure and finding your way. Having started inside the FKN building, the performance took the audience on a one-hour long journey through the academy grounds to the Neckar river. During his attempts to tackle difficult paths, the artist always had to ask the audience for assistance.


Säulenheiliger / STYLITE

Schorndorfer Stadtkirche, 500-jähriges Reformationsjubiläum, November 2017

Schorndorfer Stadtkirche, 500th anniversary of the reformation, November 2017

Unter der Teilnahme von 13 Künstlern wurden die Fassadennischen der Stadtkirche, deren ursprüngliche Skulpturen dem reformatorischen Bildersturm zum Opfer fielen, temporär durch zeitgenössische Werke wiederbesetzt. Die Künstler waren aufgefordert, mit ihren Beiträgen einen Dialog anzuregen und zur lebendigen, zeitbezogenen und offenen Auseinandersetzung mit dem Thema Reformation aufzufordern. Thomas Putze platzierte sich nackt, eingerieben mit Travertinstaub, in der Nische, den Regelverstoß bewusst in Kauf nehmend, als Anspielung auf Martin Luthers berühmten Thesenanschlag, der zu ähnlicher Empörung führte.

13 artists created contemporary works to temporarily replace the sculptures that were removed from the Stadtkirche (City Church) during the iconoclasm of the reformation. The artists were invited to foster dialogue and to encourage an open, vibrant and timely debate about the reformation. Thomas Putze positioned himself naked, covered with travertine dust in a recess. He disregarded the instructions deliberately in reminiscence of the controversy Martin Luther caused with the famous posting of his thesis.


Das Schloss / THE CASTLE

Finissage der Ausstellung "Mitspieler", Galerie Schlichtenmaier, Schloss Dätzingen-Grafenau, Januar 2018

Closing event of the exhibition "Mitspieler", Galerie Schlichtenmaier, Castle Dätzingen-Grafenau, January 2018

Ausgehend von Kafkas Roman "Das Schloss" thematisierte Putze in dieser Performance die Unerreichbarkeit als gesellschaftlichen und existenziellen Umstand, wobei er über die Romanvorlage weit hinausgeht. In die Rolle des Flüchtenden, Ausgegrenzten und Schwachen schlüpfend bleibt es dem Künstler versagt ans Ziel zu kommen.

Inspired by Franz Kafka’s novel ‘The Castle’, Putze’s performance dramatises unattainability as a social and existential factor, while reaching far beyond the novel’s setting. Taking on the role of the refugee, the marginalized and the weak, the artist is denied the chance to reach his goal.